Wer den Kāfir nicht zum Kāfir erklärt

Wer den Kāfir nicht zum Kāfir erklärt, ist selbst ein Kāfir.

Imām Yaḥyā bin Abī al-Khayr al-ʿImrānī (gest. 558 هـ) erwähnte von al-Layth bin Saʿd (gest. 175 هـ) von den Salaf die Aussage, dass die Entschuldiger der offenkundigen Kuffār selbst Kuffār sind:

وقال الليث بن سعد: من قال القرآن مخلوق فهو كافر

Und al-Layth bin Saʿd sagte: Wer sagt „Der Qurʾān ist erschaffen“ ist ein Kāfir.

ومن لم يقل هو كافر فهو كافر

Und wer nicht sagt „Er ist ein Kāfir“, so ist er (selbst) ein Kāfir


Imām Yaḥyā bin Abī al-Khayr al-ʿImrānī (gest. 558 هـ) erwähnte von Imām Mālik (gest. 179 هـ) und ash-Shāfiʿi (gest. 204 هـ) den direkten Takfīr bei offenkundigen Kufr-Aussagen:

وروى الربيع عن الشافعي – رحمه الله – أنه قال

Und ar-Rabī‘ überlieferte von ash-Shāfiʿi – möge Allāh mit ihm barmherzig sein – dass er sagte:

القرآن كلام الله غير مخلوق

„Der Qurʾān ist das Wort Allāhs, unerschaffen“

وقال لحفص الفرد حين قال بخلق القرآن: كفرت

Und er sagte zu Ḥafṣ al-Fard (dem Muʿtazilī Kāfir), als er sagte, dass der Qurʾān erschaffen sei: „Du bist Kāfir geworden“

قال مالك: من قال بخلق القرآن فهو زنديق يقتل

(Imām) Mālik sagte: „Wer sagt, dass der Qurʾān erschaffen sei, so ist er ein Zindīq (…)“

Der Qurʾān ist das Wort Allāhs, unerschaffen mit Konsens. Die Taten der Menschen sind erschaffen mit Konsens.

Diese Aussage ist ein klarer Beweis dafür, dass die Köpfe der Salaf – wie Imām Mālik – den Takfīr sprachen bei klarem Kufr und weder das Urteil aufgeschoben haben, noch Entschuldigungen erfanden – wie die Murjiʾa heute.


Imām Khaṭīb al-Baghdādī (gest. 463 هـ) überlieferte von Imām Abū Salamah bin Shabīb (gest. 247 هـ) den Takfīr auf den Entschuldiger:

قال أبو سليمان: سألت أبا سلمة بن شبيب عن علم الحلوانيّ، قال

Abū Sulaymān sagte: Ich fragte Abū Salamah bin Shabīb nach dem Wissen von al-Ḥulwānī, er sagte:

يرمى في الحش

„Es wird in die Latrine geworfen“

 ثم قال أبو سلمة: من لم يشهد بكفر الكافر فهو كافر (٣)

Danach sagte Abū Salamah: „Wer nicht den Kufr des Kāfirs bezeugt, der ist ein Kāfir“


Imām al-Mizzī (gest. 742 هـ) überlieferte von Imām Abū Salamah bin Shabīb (gest. 247 هـ) den Takfīr auf den Entschuldiger:

قال داود بْن الحسين (٢) : سألت أبا سلمة بْن شبيب عن علم الحلواني

Dāwūd bin al-Ḥusayn sagte: Ich fragte Abū Salamah bin Shabīb nach dem Wissen von al-Ḥulwānī, so sagte er:

فقال: يرمى في الحش (٣)

„Es wird in die Latrine geworfen“

قال (أَبُو) (٤) سلمة: من لم يشهد بكفر الكافر فهو كافر

Abū Salamah sagte: „Wer nicht den Kufr des Kāfirs bezeugt, der ist ein Kāfir“


Imām Qāḍī Iyāḍ al-Mālikī (gest. 544 هـ) überlieferte den Takfīr auf den Zweifler über die Zweifler über den Kufr der Fatimiden von Imām Abū Muḥammad bin at-Tabbān al-Mālikī (gest. 371 هـ):

كان أبو محمد شديد البغض لهم والتشهير عليهم. قال بعض أصحابه: كنت معه يوما بالمنستير يوم عاشوراء

Abū Muḥammad hatte starken Hass für sie und (betrieb) die Anprangerung über sie. Einige seiner Gefährten sagten: Ich war mit ihm eines Tages in Munastīr (Stadt im heutigen Tunesien) am Tag von ʿĀschūrāʾ.

وفيه تلك السنة من الناس عالم حزر فيهم سبعون ألفا. فلما رأي جمعهم بكى. فقيل له: ما يبكبك؟

Und in ihm waren jenes Jahr von den Menschen, ein Gelehrter vermutete siebzig tausend. Als er ihre Versammlung sah, weinte er. So wurde zu ihm gesagt: „Was bringt dich zum Weinen?“

فقال: والله ما أخشى عليهم من الذنوب. لأن مولاهم كريم. وإنما أخشى أن يشكوا في كفر بنى عبيد فيدخلوا النار

So sagte er: „Bei Allāh, ich fürchte für sie nicht von den Sünden, denn ihr Herr ist Karīm. Vielmehr fürchte ich, dass sie zweifeln über den Kufr von Banū ʿUbayd, so betreten sie das Feuer


Imām Abū al-Ḥusain al-Malaṭī ash-Shāfiʿi (gest. 377 هـ) erklärte den Konsens aller Muslime, dass wer zweifelt, ob der Kāfir ein Kāfir ist, selbst ein Kāfir ist:

وَجَمِيع أهل الْقبْلَة لَا اخْتِلَاف بَينهم أَن من شكّ فِي كَافِر فَهُوَ كَافِر

Die Gesamtheit der Ahl al-Qibla (alle Muslime), keine Meinungsverschiedenheit ist zwischen ihnen, dass wer (am Kufr) eines Kāfirs zweifelt, so ist er ein Kāfir.

لِأَن الشاك فِي الْكفْر لَا إِيمَان لَهُ لِأَنَّهُ لَا يعرف كفرا من إِيمَان

Denn der Zweifler über den Kufr hat keinen Īmān. Weil er nicht Kufr von Īmān unterscheiden kann.

فَلَيْسَ بَين الْأمة كلهَا الْمُعْتَزلَة وَمن دونهم خلاف أَن الشاك فِي الْكَافِر كَافِر

So gibt es unter der ganzen Umma, den Muʿtazila und (die) außer ihnen (die anderen Gruppen), keine Meinungsverschiedenheit, dass der Zweifler über den Kāfir, ein Kāfir ist


Imām Ibn Ḥazm (gest. 456 هـ) sagte über denjenigen, der die Kuffār wegen der Ḥujja entschuldigt:

Imām Ibn Ḥazm (gest. 456 هـ) sagte über denjenigen, der die Kuffār wegen der Ḥujja entschuldigt:

فَإِن قَالُوا أَن حجَّة الله تَعَالَى لم تقم قطّ على كَافِر إِذْ لم يتَبَيَّن الْحق للْكفَّار

Und wenn sie sagen, dass der Beweis Allāhs, des Erhabenen, nie gegen einen Kāfir erbracht wurde, da die Wahrheit den Kuffār nicht klar wurde,

كفرُوا بِلَا خلاف من أحد وعذروا الْكفَّار وخالفوا الْإِجْمَاع

so wurden sie Kuffār ohne Meinungsverschiedenheiten von irgendjemandem und sie entschuldigen die Kuffār und widersprechen dem Konsens (ijmāʿ)


Imām Qāḍī ʿIyāḍ al-Mālikī (gest. 544 هـ) überlieferte den Konsens über den Takfīr auf jeden, der beim Takfīr auf den Murtadd zögert oder zweifelt:

وقائِل هَذَا كُلُّه كافر بالإجْماع على كفر من لم يكذر أحدًا مِن النَّصَارَى واليَهُود وَكُلّ من فَارَق دِين الْمُسْلِمِين أَو وَقَف فِي تكفير هم أوشك

Und der Sagende von allem diesen ist ein Kāfir, mit dem Konsens (Ijmāʿ) über den Kufr von (dem), wer einen von den Christen, Juden und jedem, der den Dīn der Muslime verlassen hat (Murtaddūn), nicht als Kāfir bezeichnet oder zögert in seinem Takfīr oder zweifelt.

قَال الْقَاضِي أَبُو بَكْر لِأَنّ التّوقِيف والإجْماع اتّفَقَا عَلَى كُفْرِهِم

al-Qāḍī Abū Bakr (bin Bukayr oder al-Bāqillānī‎) sagte: „Weil der Tawqīf (Qurʾān und Sunna) und der Konsens (Ijmāʿ) stimmen über ihren Kufr überein.

فَمَن وقف فِي ذَلِك فَقَد كذّب النَّصّ والتّوْقِيف أَو شَكّ فِيه والتكذيب أو الشك فِيه لَا يقع إلا من كافر

So wer zögert über jenes (ihren Kufr), so hat er den Text und den Tawqīf (Qurʾān und Sunna) der Lüge bezichtigt, oder er zweifelt darüber, und die Leugnung oder der Zweifel darin, geschieht nicht, außer beim Kāfir“


Imām Qāḍī ʿIyāḍ al-Mālikī (gest. 544 هـ) sagte über diejenigen, die klare Realitäten in Furūʿ-Angelegenheiten – wie die Eigenschaften der Ḥajj oder die Art des Gebetes – anzweifeln – wie die Ḥadīthleugner heute:

وَلَا يعذر بِقَوْلِه لَا أدري وَلَا يصدق فِيه بَل ظاهره التستر عَن التكذيب

Er wird nicht entschuldigt durch seine Aussage: „Ich weiß nicht“ – und es wird (ihm) darin nicht geglaubt. Vielmehr ist sein Augenscheinliches die Verschleierung von der Leugnung.

إِذ لَا يمكن أنَّه لَا يدري

Denn es ist nicht möglich, dass er (es) nicht weiß.

وأيضا فَإنَّه إذَا جوز عَلَى جميع الْأُمَّة الوهم والغلط فِيمَا نقلوه من ذَلِك وأجمعوا أنَّه قَوْل الرَّسُول وفعله وتفسير مراد اللَّه بِه أدخل الاسترابة فِي جميع الشريعة

Und gleichfalls: So wenn die Einbildung und der Irrtum möglich wäre für die Gesamtheit der Umma in was sie von jenem überliefern und sie sind übereingekommen (Konsens), dass es die Aussage des Gesandten, seine Tat und Erklärung des von Allāh gewollten ist, (so) hat er Zweifel in die Gesamtheit der Sharī’a hineingebracht.

إِذ هُم الناقلون لَهَا وللقرآن وانحلت عرى الدّين كرة وَمَن قال هَذَا كافر

Denn sie sind die Überlieferer davon (der Sharī’a) und vom Qurʾān. Und die Bände des Dīn wurden (dadurch) aufgelöst. Und wer dies sagt, ist ein Kāfir.

Es wird zuvor genauer erklärt, ab wann jemand durch das Anzweifeln davon in Kufr verfällt. Es geht hier nicht um jemanden, der neu zum Islām konvertiert und sagt, dass er nicht weiß, was die Eigenschaften der Ḥajj sind.


Imām Ḥāfiẓ ad-Dīn an-Nasafī al-Māturīdī (gest. 710 هـ) erklärte, dass das Zögern in Angelegenheiten, die man glauben muss, wie die Verleugnung ist:

وقال أبو عبد الله الثلجي: أقول بالمتفق عليه، وهو أن القرآن كلام الله تعالى، وأتوقف في المختلف فيه فلا أقول مخلوق أو قديم

Abū ʿAbdullāh ath-Thaljī (der Lügner und Kāfir) sagte: „Ich bekenne mich zu dem Übereingekommenen und es ist, dass der Qurʾān das Wort Allāhs, des Erhabenen, ist. Und ich enthalte mich in den (Themen) der (angeblich) verschiedenen Meinungen in ihnen, so sage ich nicht erschaffen oder ewig (unerschaffen)“

وهو باطل؛ لأن التوقف موجب الشك، والشك فيما يفترض اعتقاده كالإنكار

Und es (dies) ist falsch (bāṭil), denn das Zögern bedingt den Zweifel. Und der Zweifel in dem, dessen Glaube zur Pflicht gemacht wurde, ist wie die Verleugnung.

Sämtliche Gelehrten überliefern von ath-Thaljī, dass er als Lügner bezeichnet wurde. Darunter adh-Dhahabī.

Ibn al-Jawzī erwähnt, dass ihm nicht nur das Lügen zugeschrieben wurde, sondern er erwähnt das Verbot von ihm zu überliefern und dass er Aḥādīth zu erfinden pflegte.

al-Jurjānī erwähnt, dass er nicht von den Leuten der Überlieferung ist und dass er Überlieferungen erfunden hat.

Von Imām al-Qawārīrī wird der direkte Takfīr auf ihn nochmal explizit erwähnt. Von Khatīb al-Baghdādī wird erwähnt, dass er ein Lügner war und dass es nicht erlaubt ist, von ihm zu berichten.


Imām al-Biqāʿī (gest. 885 هـ) – der Schüler von Imām Ibn Ḥajar al-ʿAsqalānī (gest. 852 هـ) – überlieferte den Takfīr auf denjenigen, der beim Takfīr auf den Murtadd zögert oder zweifelt:

ولا يسع أحدا أن يقول: أنا واقف أو ساكت لا أثبت، ولا أنفي؛ لأن ذلك يقتضي الكفر؛

Es ist für niemanden möglich, dass er sagt: „Ich bleibe stehen oder bin schweigend, weder bestätige ich noch leugne ich“, weil jenes den Kufr impliziert.

لأن الكافر من أنكر ما علم من الدين بالضرورة. ومن شك في كفر مثل هذا كفر

Denn der Kāfir ist, wer leugnet, was vom Dīn mit Notwendigkeit gewusst wird. Und wer zweifelt über den Kufr eines (Kāfirs) wie diesen, ist Kāfir.

ولهذا قال ابن المقري في مختصر الروضة

Deswegen sagte Ibn al-Muqrī (gest. 837 هـ) in Mukhtaṣar ar-Rawḍa:

من شك في اليهود والنصارى وطائفة [ابن٣] عربي فهو كافر

„Wer zweifelt über (den Kufr) der Juden, Christen und der Sekte von (Ibn) ʿArabī (er meint Murtaddūn), so ist er ein Kāfir“

وحكى القاضي عياض في الباب الثاني من القسم الرابع من الشفاء

Und al-Qāḍī ʿIyāḍ (gest. 544 هـ) erzählte im dritten Kapitel vom vierten Teil von ash-Shifāʾ:

الإجماع على كفر من لم يكفر أحدا من النصارى واليهود

„Der Konsens (Ijmāʿ) besteht über den Kufr dessen, wer einen von den Christen, Juden

وكل من فارق دين المسلمين، أو وقف في تكفيرهم, أو شك

und jeden der den Din der Muslime verlässt (Murtaddūn) nicht als Kāfir bezeichnet, oder bei seinem Takfīr zögert oder zweifelt.

قال القاضي أبو بكر: لأن التوقيف والإجماع اتفقا على كفرهم

Und al-Qāḍī Abū Bakr (bin Bukayr oder al-Bāqillānī) sagte: Denn der Tawqīf (Qurʾān und Sunna) und der Konsens (Ijmāʿ) stimmen über ihren Kufr überein.

فمن وقف في ذلك، فقد كذب النص والتوقيف، أو شك فيه

So wer zögert über jenes (ihren Kufr), so hat er den Text und den Tawqīf (Qurʾān und Sunna) der Lüge bezichtigt, oder er zweifelt darüber.

والتكذيب، أو الشك فيه لا يقع إلا من كافر“ ا. هـ

Und die Leugnung oder der Zweifel darin, geschieht nicht, außer beim Kāfir“


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